Beratung & Coaching: Alles in einen Topf?

 

Wie gehen Sie eigentlich vor, wenn Sie kompetente externe Unterstützung suchen? Googeln Sie eine Runde? Bitten Sie Kollegen oder Geschäftspartner um Empfehlungen? Lassen Sie sich von Werbeanzeigen in Fachmagazinen inspirieren? Wie auch immer – bestimmt werden Sie ungläubig den Kopf schütteln über die Vielzahl an Anbietern und Angeboten: Berater und Coaches, Trainer und Consultants... aber was oder wen brauchen Sie denn nun genau? 

Der Coaching-Markt explodiert. Kein Wunder, denn die Nachfrage ist da: Umfragen bestätigen, dass in den letzten fünf Jahren jeder zweite Manager ein Coaching in Anspruch genommen hat. Ganz generell lassen sich heute viel mehr Menschen in privaten und beruflichen Fragen beraten und begleiten. Wesentlich dazu beigetragen hat sicherlich der Imagewandel vom „Gecoacht-Werden“: Wer sich externe Hilfe holt, trägt nicht länger den Makel des Scheiterns, sondern punktet ganz im Gegenteil als proaktiver Macher. Ein weiterer Grund für den Beratungsboom: Die Halbwertszeit des Wissens nimmt immer mehr ab, gleichzeitig nimmt das Streben nach Optimierung zu. Unternehmen sind kontinuierlich in Bewegung - Stichwort „Change Management“. Jeder will das Beste aus sich und seinem Team herausholen, Potenziale nutzen, Schwächen identifizieren und Stärken stärken.

Hilfe von außen bringt hier oft ganz neue Impulse und Perspektiven, doch die Berufsbilder sind oft unscharf, die angebotenen Leistungsbezeichnungen schwammig. Der Markt ist unübersichtlich und die Gefahr groß, den falschen Dienstleister oder die falsche Dienstleistung auszuwählen. Ich möchte ein wenig Licht ins Dunkel bringen und zumindest die Begriffe „Beratung“ und „Coaching“ voneinander abgrenzen. Denn die Ziele und Herangehensweisen dieser beiden Diszplinen unterscheiden sich wesentlich, ebenso wie die benötigten Skills:

Bei einer Beratung kaufen Sie sich Know-how ein – der Berater hat Expertenwissen, das Ihnen fehlt. Sie schildern Ihr Problem, der Berater analysiert die Lage und erarbeitet eine Lösung. Und genau hier liegt der Knackpunkt, warum unzählige (oft sogar sehr gute) Beratungskonzepte nie den Weg in die Praxis finden: Die Beratung endet mit der Präsentation der Lösung, der Kunde wird mit der Umsetzung allein gelassen. Problematisch ist auch, dass die Vorschläge „von oben“ aufgesetzt werden.

Coaching hingegen ist eine Wegbegleitung. Natürlich kann es in manchen Branchen von Vorteil sein, wenn der Coach Fachwissen in Ihrem Bereich mitbringt - im Grunde spielt es aber für den Erfolg des Coachings keine entscheidende Rolle. Zwei Beispiele: Nicht jeder Partnerschaftscoach hat eine Scheidung hinter sich, nicht jeder Zeitmanagement-Coach kennt einen Burnout aus eigener Erfahrung. Muss er auch nicht. Denn jeder Coach geht davon aus, dass Sie die beste Lösung selber wissen bzw. unter seiner Anleitung selbst erarbeiten können. Wie das funktioniert? Durch strukturiertes Vorgehen und konsequentes Fokussieren auf den Coaching-Prozess. Vorteil: Lösungen, die auf diesem Weg entstehen, sind sehr individuell und immer ganz nah am Coachee. Nicht DER Weg, sondern IHR Weg. Im Mittelpunkt stehen der Mensch und die Prozesse, nicht die fachlichen Details. Ein Coach hört zu und beobachtet, reflektiert und diskutiert, analysiert Stimmungen und Werte - und vor allem stellt er die richtigen Fragen. Ein Coach ist weniger Lotse, sondern vielmehr Sparringspartner.

Selbstverständlich ist die hundertprozentig strikte Abgrenzung nicht immer gegeben, in vielen Coachings verwischen sich die Grenzen zur Beratung. Auch wir werden oft nach konkreten Tipps gefragt - und geben diese dann auch gerne. Allerdings nicht als Lösung, sondern als Anregung.

Egal ob Beratung oder Coaching: Bei beiden halte ich neben einer möglichst breiten Ausbildung vor allem Aufgeschlossenheit für verschiedenste Vorgehensweisen für sehr wichtig. Denn: „Wer nur einen Hammer hat, für den sieht jedes Problem wie ein Nagel aus...“

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(Bildnachweis: Fotolia #78328016 | Urheber: Trueffelpix)

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Gast
Sonntag, 24. Januar 2021

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