In unserer Blog-Serie „O-TON“ plaudern wir über unseren Job und unsere Leidenschaft für Organisationsentwicklung und Agilität – diesmal mit Sonja Maria Fabiāo, die uns seit Mitte Juni 2021 als Organisationsentwicklerin verstärkt.

Foto Sonja Maria Fabiao

Sonja Maria Fabiāo
Organisationsentwicklerin, Zuhörerin, Naturliebhaberin

Sonja Maria, wie bist du mit den Themen Organisationsentwicklung und Transformation in Berührung gekommen?

Wenn ich zurückblicke, begleiten mich Change-Situationen schon mein ganzes Arbeitsleben, also seit rund 20 Jahren. Anfangs als Betroffene, später immer häufiger als Mitgestaltende.

Was fasziniert dich an deinem Job als Organisationsentwicklerin?

Ich habe einige Transformationen erlebt und begleitet und schon früh Muster erkannt. Es hakt häufig an ähnlichen Stellen und es fasziniert mich immer wieder, diese „verkeilten“ Situationen aufzulösen. Das vergleiche ich gerne mit einem Wollknäuel, das entwirrt werden muss. Im Wort Organisationsentwicklung steckt beides – auseinanderwickeln und weiterentwickeln. Wie beim Wollknäuel braucht es dazu ein gewisses Fingerspitzengefühl, Beobachtungsgabe und Methode. Bei der Organisationsentwicklung geht es genau darum: Blockaden aufzulösen, damit wieder funktionsfähige, organische Strukturen entstehen und Menschen, Teams und Organisationen die nächste Stufe erreichen können.

Organisationsentwicklung ist kein neues Thema, aber viele Unternehmen beschäftigen sich jetzt intensiver damit, weil sich die Geschwindigkeit enorm erhöht, in der sich Organisationen wandeln und anpassen müssen – und zwar in vielen Handlungsfeldern gleichzeitig. Unternehmen müssen sich mit Chancen und Risiken der Digitalisierung auseinandersetzen, mit der höheren Kostensensibilität ihrer Kunden, mit modernen Formen der Zusammenarbeit und neuen Wünschen und Bedürfnissen der Arbeitnehmer. Dieser Trend wird sich in den nächsten Jahren noch verstärken, denn unter anderem verändert die nachrückende Generation Z gerade unsere Sicht auf den Themenkomplex Arbeit/Freizeit/Gesundheit fundamental.

Du bezeichnest dich selbst als „gesundheits- und werteorientierte Organisationsberaterin“. Was verstehst du darunter genau?

Beides – also Werte und Gesundheit – ist in meinem Verständnis die Basis für Organisationsentwicklung: Für Wandel brauchen wir ein starkes Fundament an Werten, denn was nicht in uns verankert ist, können wir nicht authentisch ausstrahlen. Über Werte zu sprechen und Werte fühlen und zu verkörpern, sind unterschiedliche Dinge. Gibt es eine Diskrepanz, spüren das die Menschen in der Organisation sofort. Auch Gesundheit ist ein zentraler Teil jedes Systems. Ein gesundes System – beispielsweise ein Team oder Unternehmen – braucht Gesundheit auf allen Ebenen, also eine gesunde Kultur, eine gesunde Struktur und gesunde Menschen, physisch und mental.

Welche Rolle spielt Agilität für deine Arbeit?

Ich war an vielen Schnittstellen zwischen Wasserfall und Agilität tätig, so dass ich den Mehrwert beider Ansätze kenne und schätze. Es gibt bei der Frage nach Agilität nicht nur die eine richtige Antwort und ich bin nicht dafür, zugunsten der Agilität alles „auf links“ zu drehen. Es ist mir in meinen Projekten wichtig, die Werthaltigkeit aller bestehenden Prozesse anzuerkennen, häufig geht es ja auch um über Jahrzehnte gewachsenes Know-how. Agilität ist aber ein sehr guter Weg, um die Energie in Organisationen besser zum Fließen zu bringen, starre Systeme wieder geschmeidiger zu machen. Eine gesunde Organisation kann von beidem profitieren: einer stabilisierenden Struktur und agiler Geschmeidigkeit.

Welche typischen Hürden hast du bei Transformationen kennengelernt?

Es sind immer die Menschen! Menschen, die aus unterschiedlichsten Gründen die Transformation nicht annehmen können. Menschen, die das Zuhören vergessen oder die Perspektive nicht wechseln können. Menschen, die Kommunikation nicht begreifen. Menschen, die nicht empathisch genug sind, um zu verstehen, warum Betroffene nicht „auf die nächste Stufe“ oder „von A nach B“ gebracht werden möchten oder was sie brauchen, um sich mit der Transformation arrangieren zu können.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es meistens nicht an der Methodenkompetenz liegt und dass auch selten die Notwendigkeit der Transformation in Frage gestellt wird. Die Blockade entsteht dort, wo es nicht gelingt, die Menschen mitzunehmen. Denn ein Projekt, das nicht gewollt ist, hat keinen Auftraggeber! Es ist deshalb wichtig, die Schlüsselfiguren im Unternehmen, die dieses Projekt intern mit vorantreiben oder zumindest sichtbar dahinterstehen, als „Lichtträger“ zu identifizieren und mitzunehmen. Und es braucht die ernst gemeinte Bereitschaft, sich wertschätzend mit Widerstand auseinanderzusetzen und im besten Fall aus Kommunikation Kooperation entstehen zu lassen.

Gibt es ein besonderes Erfolgserlebnis, an das du dich als Organisationsentwicklerin erinnerst?

Für mich ist es ein Erfolgserlebnis, wenn sich die Menschen so öffnen, dass sie sich ehrlich äußern. Wenn ich ein Umfeld gestalten konnte, das Vertrauen schafft und Mut macht, auch Dinge zu äußern, die nicht dem Konsens entsprechen. Wenn ein Klima entsteht, in dem alle bereit sind zuzuhören, ohne zu bewerten. Wenn Menschen miteinander sprechen und feststellen: „So weit sind wir doch gar nicht voneinander entfernt“. Dann können wir beginnen, Schnittmengen zu finden und auszubauen.

Du hast selbst Führungserfahrung. Was sind deiner Meinung die wichtigsten Eigenschaften moderner Führungskräfte?

Führungskraft zu sein bedeutet für mich, Menschen von A nach B führen. Das sollten sich Führungskräfte immer wieder bewusst machen und nicht vergessen, dass es dabei um Menschen geht. Das erfordert einen ausgeprägten Wahrnehmungssinn, die Fähigkeit zuzuhören und auch selbst immer wieder neu zu lernen. Das gilt übrigens nicht nur für Organisationen, sondern auch für kleine Teams, die entwickelt werden.

Außerdem sollten Führungskräfte Entscheidungen treffen können. Auch die Entscheidung, wann sie überhaupt selbst entscheiden sollten oder für welche Entscheidungen die Kompetenz im Team liegt. Die Gabe, das unterscheiden zu können, zeichnet eine gute Führungskraft aus.

Gibt es einen speziellen Tipp, den du Unternehmen beim Start in einen Transformationsprozess gibst?

Finde dein Warum! Und ankere dich immer wieder im Warum.

Was sind deine Lieblingsorte im Netz, die dich beruflich inspirieren?

Auf der Website „Pioneers of Change“ finde ich viele praktische Beispiele, wie sich Unternehmen nachhaltig weiterentwickeln: https://pioneersofchange.org/
Und ich beschäftige mich mit dem Modell der Gemeinwohl-Ökonomie nach Christian Felber: https://www.gemeinwohlakademie.at/de

Verrätst du uns zum Abschluss, was du in deiner Freizeit machst?

Ich bin eine große Naturliebhaberin – und ich habe eine Hündin, die den Aufenthalt in der Natur auch regelmäßig einfordert. Außerdem bin ich ein Lern-Junkie. Ich interessiere mich für Gemeinwohlökonomie und soziale Unternehmen, für energetische Systeme und spirituelle Themen. Und ich liebe Musik und Bewegung, ich tanze, musiziere und laufe.

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Mit rund 20 Jahren Transformationserfahrung in verschiedenen Rollen begleitet Sonja Maria Fabião Unternehmen bei der Entwicklung gesunder Strukturen, Teams und Individuen. Ihr wichtigstes Toolset: ein starkes Wertefundament, Empathie, Kommunikation und die Fähigkeit zum Perspektivenwechsel.

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