O-TON: 10 Fragen an unseren Agile Coach Christoph Krumm

o-ton
In unserer Blog-Serie "O-TON" plaudern wir über unseren Job und unsere Leidenschaft für Agilität - diesmal mit Christoph Krumm, der unsere Kunden seit Mai 2019 als Coach begleitet.

 

Christoph Krumm
Berater, Teamentwickler, Spieletester

  1. Christoph, wie bist du mit agilen Methoden in Berührung gekommen?
    Ehrlich gesagt eher durch Zufall. Ich habe damals bei einem Software-Unternehmen in der Qualitätssicherung gearbeitet. Als das Unternehmen darüber nachdachte, die Softwareentwicklung auf Scrum umzustellen, gab es eine initiale Scrum-Schulung. An dieser Schulung durfte ich teilnehmen, weil die anderen Kollegen meiner Abteilung mit vermeintlich wichtigeren Aufgaben beschäftigt waren. Als ich so die Welt von Scrum und Agilem Arbeiten kennenlernte, war es quasi Liebe auf den ersten Blick. Ich dachte mir: Scrum-Master? Wow, das will ich machen! Tatsächlich habe ich die Chance bekommen, mein erstes Team als Scrum-Master zu begleiten, und ich habe es nie bereut, den agilen Weg eingeschlagen zu haben. 

  2. Was fasziniert dich am Job als Agile Coach?
    Bei dieser Frage fällt mir als Erstes das Arbeiten mit Menschen ein. Natürlich hat die Tätigkeit als Agile Coach noch viel mehr Facetten, aber letztendlich ist der Kern von allem immer das Arbeiten mit Menschen. Das macht den Job abwechslungsreich, bietet immer wieder neue Herausforderungen und man lernt nie aus. Egal ob ich mit einem Umsetzungsteam oder mit einem Führungsteam arbeite, es ist schön und motivierend zu erleben, wie wir gemeinsam Lösungen und Verbesserungen erarbeiten, die von allen mitgetragen werden. Außerdem finde ich die Kraft des Agilen Mindsets faszinierend – beispielsweise wenn ein Team wieder Spaß bei der Arbeit entwickelt.

  3. Du bist gerade neu bei Teamprove gestartet. Welche Aufgaben erwarten dich?
    Ich bin direkt in einem Kundenprojekt gestartet, bei dem ich als Scrum Master drei Scrum-Teams betreue – also von Null auf Hundert ;-) Außerdem bringt sich jeder von uns intensiv intern ein, beispielsweise bei der Weiterentwicklung unserer Angebote, bei der strategischen Ausrichtung von Teamprove oder mit Ideen für den Blog. Parallel muss ich mich natürlich noch in die internen Abläufe einarbeiten. Und wir legen großen Wert darauf, dass allen ausreichend Zeit für fachliche Weiterbildung bleibt.

  4. Welche typischen Hürden hast du bei agilen Transformationen kennengelernt?
    Am häufigsten entwickeln sich Schwächen in der Kommunikation und mangelnde Transparenz zu Blockaden. Insbesondere bei der Kommunikation liegen Selbsteinschätzung und Realität häufig weit auseinander. Wir glauben zwar zu wissen, wie Kommunikation funktioniert – schließlich ist Sprechen etwas, das wir ständig tun – aber die wenigstens von uns haben sich intensiv mit den Spielregeln von Kommunikation befasst. Das wird gerade in sensiblen Prozessen wie Transformationen zum Problem: Je stärker sich unser Umfeld ändert, desto mehr Fragen, Ängste und Unsicherheiten entstehen. Wird in diesen Phasen nicht bewusst oder nicht professionell kommuniziert, schadet das dem Arbeitsklima. Hier spielt auch Transparenz bzw. das richtige Maß an Transparenz eine ganz wichtige Rolle. Es stärkt das Vertrauen der Mitarbeiter, wenn sie verstehen, wie und warum bestimmte Entscheidungen getroffen werden (oder warum es an dieser oder jener Stelle gerade nicht voran geht).

  5. Was sind deiner Meinung die drei wichtigsten Eigenschaften eines „Agile Leaders“?
    Zuhören – und zwar wirklich und richtig! Empathie. Und die Fähigkeit loslassen zu können, so dass andere Verantwortung übernehmen.

  6. Gibt es ein besonderes Erfolgserlebnis, an das du dich als Agile Coach erinnerst?
    Auf jeden Fall! Ich kann mich noch sehr gut an ein Team erinnern, in dem die Stimmung zwischen Umsetzungsteam und Business Analyst (BA) auf dem Tiefpunkt war. Aufgaben wurden nicht rechtzeitig fertig und in einer inakzeptablen Qualität. Außerdem wurden die Aufgaben häufig von den Beteiligten unterschiedlich verstanden. Verstärkt wurde das Problem dadurch, dass das Umsetzungsteam und der BA an unterschiedlichen Orten arbeiteten. Letzteres konnte ich zwar nicht ändern, aber durch kontinuierliches Arbeiten mit allen Parteien entstand wieder ein Team, in dem sich die Mitglieder vertrauen und eine offene Kommunikation möglich ist. Der erste Schritt war es, alle Beteiligten an einen Tisch zu setzen und sich „face to face“ austauschen zu lassen. Außerdem führten wir ein, dass der BA zumindest in regelmäßigen Abständen beim Umsetzungsteam vor Ort ist. Gemeinsam haben wir es geschafft, aus einem dysfunktionalen Team ein funktionierendes Team zu bilden, das am selben Strang zieht – trotz der ungünstigen Rahmenbedingung des verteilten Arbeitens.

  7. Was sind deine Lieblingsorte im Netz, die dich beruflich inspirieren?
    Ich stöbere beispielsweise gerne durch medium.com. Auch wenn nicht alle Autoren der Community professionelle Redakteure sind, gibt es viele interessante Artikel zum Thema Agile. Auch den Blog von Mike Cohn (Mountan Goat Software) besuche ich häufig, er beschäftigt sich viel mit agilen Themen, u.a. mit User Stories und wie man mit Anforderungen umgeht. Der „Retromat“ ist eine Quelle der Inspiration, wenn es um Retrospektiven geht. Auch die Websites und Blogs von Scrum.org und der Scrum Alliance liefern immer wieder Anregungen.    

  8. Hast du Tipps für Berufseinsteiger im Agile Coaching?
    Mutig sein, ausprobieren und austauschen. Lasst euch Feedback geben. Traut euch Fehler zu machen, daraus lässt sich unglaublich viel lernen. Nicht gleich aufgeben, sondern Versuche wiederholen, indem man Dinge abwandelt oder in einer neuen Gruppe probiert. Als Coach ist es auch wichtig, sich mit anderen Coaches auszutauschen, um neue Ideen zu bekommen und sich selbst zu reflektieren. Kurz gesagt: Seid bereit, Neues zu lernen!

  9. Stichwort „Gelebte Agilität": Profitierst du auch im privaten Bereich von agilen Methoden?
    Ja. Wenn ich privat größere oder komplexere Themen angehe, hilft Agilität, das Ganze zu organisieren und iterativ vorzugehen. So kann ich nach jedem Schritt überprüfen, ob es noch in die richtige Richtung geht. Und seit ich ein Kanbanboard für meine privaten Aufgaben nutze, gelingt es mir viel besser den Überblick zu bewahren und wirklich die Dinge zu erledigen, die gerade wichtig oder dringend sind. Visualisierung ist dabei ein wunderbares Hilfsmittel.

  10. Verrätst du uns zum Abschluss etwas über deine Freizeitgestaltung neben der Arbeit?
    Ausgleich finde ich zum einen durch Spieleabende mit Freunden. Wir setzen uns regelmäßig gemeinsam an einen Tisch und probieren die verschiedensten Spiele aus – meine große Leidenschaft gehört den kooperativen Spielen. Zum anderen zieht es mich zum Wandern in die Natur, ich genieße die Ruhe und laufe gerne einfach drauflos, um Neues zu entdecken.
Scrum Master in Teilzeit: Wenn Unternehmen am fals...