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Priorisierung braucht Mut zur Lücke!

Kanbanboard für mehr Priorisierung
Der Jahresanfang ist die Zeit ambitionierter Ziele und neuer Pläne. Das obligatorische Kickoff-Meeting schwört alle auf die Jahresstrategie ein. Roadmaps werden ausgearbeitet und Projekte aufgegleist. Die Motivation ist (noch) hoch – dieses Jahr soll vieles besser laufen, strukturierter, verlässlicher und natürlich erfolgreicher. Und doch landen viele Teams schon nach wenigen Wochen im gleichen Muster wie im Jahr zuvor: To-Do-Listen und Terminkalender sind übervoll und egal, wie gut geplant wurde, der Alltag grätscht garantiert dazwischen. Schon Mitte des Jahres wird klar: Vieles ist angestoßen, zu wenig abgeschlossen.

Das Problem liegt selten am Engagement oder an der Zielsetzung. Häufig stellt bereits die Jahresplanung die Weichen für ein ineffizientes Multitasking. Ziele werden mit einer Vielzahl an Maßnahmen überfrachtet und es besteht eine große Scheu, den Schwung des Kickoffs durch ehrliche Kapazitäteneinschätzung zu bremsen. So sammeln sich vollgepackte „Man-müsste-mal“-Listen mit schwammigen Prioritäten. Entweder werden zu viele Maßnahmen gleichzeitig bearbeitet oder der Berg an Tasks ist so hoch, dass vielversprechende Projekte gar nicht erst in die Umsetzung kommen. In beiden Fällen sinken Geschwindigkeit, Motivation und Wertschöpfung. Stress und Frustration steigen. (Auch Arbeitspsychologen betonen übrigens, dass Priorisierung und eine realistische Kapazitätsplanung zu den wirksamsten Strategien gegen Druck und Überlastung am Arbeitsplatz zählen.)

Aber wie können Sie es besser machen? Wir haben einige Impulse zusammengetragen, die wir erfolgreich in der Arbeit mit unseren Kunden einsetzen.

Lernen und lehren Sie die Kunst des Weglassens!

Nochmal zurück zum Jahres-Kickoff: Wenn alles wichtig ist, hat nichts Priorität. Den Teams fehlen wichtige Entscheidungsgrundlagen für die tägliche Arbeit. Sie starten mit zu vielen parallelen Vorhaben – oft aus dem Gefühl heraus, sonst nicht schnell genug Richtung Ziel voranzukommen. Doch das Gegenteil ist der Fall.

Viele Kickoffs (und Follow-up-Meetings) vernachlässigen eine wichtige Frage: Was ist im Moment wichtiger als alles andere und was lassen wir dafür bewusst liegen? Diese Frage ist unbequem. Denn sie zwingt dazu, sich vom Wunschdenken zu verabschieden, dass sich alle guten Ideen gleichzeitig bearbeiten lassen. Mehr noch: Priorisierung (Reihenfolge) allein reicht nicht, sondern Sie benötigen auch Fokus (Reduktion). Nur so können Sie beschränkte Ressourcen auf das Wesentliche konzentrieren, schneller und wirksamer werden.

Priorisierung und Fokus machen sichtbar, dass jede Entscheidung für etwas auch ein Verzicht ist, ein „Nein“ zu einem Teilziel oder einer Maßnahme.

Wir haben gute Erfahrungen mit WIP-Limits („Work in Progress“) aus der Kanban-Methodik gemacht. Auf einem physischen oder digitalen Board visualisieren Sie, an welchen Aufgaben parallel gearbeitet wird und in welchen Phasen sich diese gerade befinden. Wie viel gleichzeitig ist für unser Team realistisch? Wo gibt es Engpässe? Wo stockt der Arbeitsfluss? Wo können wir flexibel etwas verschieben, um auf unvorhergesehene Anforderungen zu reagieren? Ein bewusst gesetztes WIP-Limit zwingt dazu, Kapazitäten zu bündeln und Tasks abzuschließen, bevor Neues begonnen wird.

Was sich einfach anhört, ist ein Lernprozess, der fast immer zu Aha-Erlebnissen führt. Probieren Sie es aus und fragen Sie uns gerne nach Details zu WIP und Kanban!

Priorisieren Sie gemeinsam!

Ein weiterer Stolperstein: Prioritäten werden oft adhoc, implizit oder informell festgelegt. Mal entscheidet die Hierarchie, mal die lauteste Stimme, mal die Dringlichkeit des Tagesgeschäfts. Das führt zu Unklarheit und Frust. Sinnvoller ist es, Priorisierung gemeinsam zu gestalten:

  • Welche Kriterien nutzen wir für die Beurteilung von Wichtigkeit und Dringlichkeit?
  • Wer darf Prioritäten setzen – und in welchem Rahmen?
  • Wie gehen wir mit Zielkonflikten um?

Ob mit Punkten, Chips, KPIs: Entscheidend ist nicht das Werkzeug, sondern die Transparenz. Teams müssen verstehen, warum etwas gerade Vorrang hat oder warum etwas geopfert wird. Dabei verstehen wir Priorisierung nicht als einmalige, starre Festlegung am Jahresanfang, sondern als fortlaufenden Dialog, ein gemeinsames Ringen um die besten Entscheidungen.

Schätzen Sie dabei Kapazitäten ehrlich ein! Ja, Ziele dürfen und sollen ehrgeizig sein, aber überoptimistische Annahmen führen zu Überlastung. Häufig werden bekannte Verzögerungsfaktoren ignoriert und Unwägbarkeiten ausgeblendet. Hinzu kommen Rahmenbedingungen, die nicht beeinflussbar sind: gesetzliche Vorgaben, Zulassungsprozesse, externe Abhängigkeiten. Sie verschwinden nicht, nur weil sie im Jahresplan nicht vorkommen.

Planen Sie mit Unsicherheit!

Planung und Unsicherheit – ist das nicht ein Paradoxon? Jein. Die meisten Unternehmen akzeptieren mittlerweile, dass sich nicht alles perfekt im Voraus planen lässt. Zum Jahresbeginn ist unklar, wie sich die Rahmenbedingungen und Anforderungen über die Monate verändern werden. Es bleibt also bis zu einem gewissen Grad schwammig, mit welchen Maßnahmen sich die angestrebten Ziele erreichen lassen werden. Organisationen und Teams müssen auf kurze Sicht loslaufen. Gleichzeitig entsteht aber mit wachsender Dynamik ein großer Wunsch nach Orientierung und Sicherheit. Dieser Widerspruch zeigt sich in überladenen Roadmaps, die suggerieren, alles sei vorhersehbar.

Realistische Priorisierung bedeutet, bewusst Puffer einzuplanen. Auch Änderungen sind kein Zeichen schlechter Planung – sie sind Teil der Realität. Entscheidend ist, wie Teams darauf reagieren.

Unser Impuls: Gehen Sie die Umsetzung Ihrer Jahresstrategie iterativ an und verzichten Sie auf allzu detaillierte, langfristige Roadmaps! Unterscheiden Sie klar zwischen Zielen (wohin) und Maßnahmen (welcher Weg) und schnüren Sie überschaubare Maßnahmenpakete. So können Sie Teilschritte zum Ziel priorisieren, abschließen und immer wieder kleine Erfolge feiern. Verschieben sich im Jahresverlauf die Anforderungen, kann der nächste Teilschritt bei Bedarf neu priorisiert werden – aber Sie sind Ihrem Ziel schon ein oder zwei konkrete Schritte näher, statt ein großes, nicht abgeschlossenes Projekt versanden zu lassen. So entsteht Fortschritt, der sichtbar und überprüfbar ist.

Fazit: Zielerreichung entsteht auch durch Mut zur Lücke

Prioritäten zu setzen heißt nicht, weniger ambitioniert zu sein. Im Gegenteil. Es heißt, Verantwortung für Ressourcen, Energie und Wirkung zu übernehmen.

Ihre Mini-Challenge: Testen Sie die Ivy-Lee-Methode!

In Ihrem direkten Arbeitsbereich können Sie Priorisierung gut mit der sogenannten Ivy-Lee-Methode üben. Der Unternehmensberater Ivy Lee entwickelte die Technik 1918 für den Stahlproduzenten Charles Schwab, der auf der Suche nach einem Produktivitätsturbo war. Angeblich bot Ivy Lee an: “Sie können meine Methode testen und wenn es funktioniert, bezahlen Sie mir nach 3 Monaten, was Sie für angemessen halten.“ Ein Vierteljahr später soll Schwab Ivy Lee einen Scheck über 25.000 Dollar überreicht haben. Ob Anekdote oder nicht: Bis heute gilt die Ivy-Lee-Methode als eine der besten und einfachsten Methoden für Fokussierung.

Im Kleinen simuliert die Ivy-Lee-Methode das oben beschriebene iterative Vorgehen:

1. Schreiben Sie die sechs wichtigsten Aufgaben und Herausforderungen für Ihren Tag auf – am besten am Vorabend.

2. Ordnen Sie die Liste nach Priorität mit den Nummern 1 bis 6.

3. Erledigen Sie die erste Aufgabe – konzentriert, möglichst ohne Ablenkung, bis die Aufgabe abgeschlossen ist. Kommt ein Telefonat oder Meeting dazwischen, setzen Sie direkt im Anschluss die Arbeit an der begonnenen Aufgabe fort.

4. Bevor Sie die nächste Aufgabe angehen, machen Sie einen Prioritätencheck: Hat sich die Wichtigkeit geändert? Oder ist etwas Tagesaktuelles dazugekommen, so dass Sie eine Aufgabe tauschen möchten? Passen Sie die Liste ggf. an.

5. Wiederholen Sie den Ablauf während Ihres Arbeitstages.

6. Es ist gut möglich, dass am Ende des Tages nicht alle Aufgaben erledigt sind – übernehmen Sie in diesem Fall die – sofern noch immer wichtigen – offenen Aufgaben auf die Liste Ihres nächsten Tages.

Viel Erfolg!

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